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In Ghadames gibt es zwei libysche Reiseagenturen, die sich
um die Organisation von Führern für diejenigen kümmern, die
an der algerischen Grenze entlang nach Ghat wollen. Da der Staat
für diese Strecke einen Führer vorschreibt, gestalten sich Preisverhandlungen
eher schwierig. In der Regel dauert die Tour 3 bis 4 Tage. Wer
wie wir einen Führer mit eigenem Fahrzeug braucht, muss mit
etwa 500 USD rechnen. Uns wurde gesagt, die Tour in umgekehrter
Richtung (also von Ghat nach Ghadames) sei billiger. Ich kann
diese Information nur ungeprüft weitergeben.
In unserem Fall lautet die Forderung auf 700 USD. Das ist
definitiv zu teuer. Wir vertagen uns auf den nächsten Morgen
und gehen erst einmal ins Restaurant. Dort treffen wir auf drei
Franzosen die einen Führer mit Fahrzeug suchen. Sehr praktisch!
Auf dem Weg zu unserem Auto treffe ich den Boss des Touristikbüros
wieder. Jetzt sind wir schon bei 600 USD. Dabei bleibt es dann
auch. Da bei dem vereinbarten Preis auch die Mitnahme der 3
Franzosen im Fahrzeug des Guides enthalten ist, kommt uns die
Fahrt doch noch günstiger als wir kalkuliert hatten.
Zur ersten Etappe mit unserem Tuareg Führer Farage, seinem
jungen Begleiter sowie den drei Franzosen Sebastian, Meriem
und Laurent brechen wir gegen Nachmittag des Silvestertages
auf. Zunächst führt uns die Piste durch kahle Landschaft. Ab
und an findet sich ein wenig Buschwerk, dann wieder nur Steine.
Als diese auch noch verschwinden bleibt kilometerweit das staubige
Nichts der Al-Hamrah, bis zum Horizont. Der Sonnenuntergang
verwandelt jedoch auch diese Einöde in einen bizarren Anblick.
Ist die Sonne erst einmal untergegangen, wird die Piste sehr
schnell zur Stolperfalle. Wir haben Mühe der funzeligen Toyo-Beleuchtung
unseres Guides zu folgen und freuen uns, als das Nachtlager
endlich bestimmt ist. Die Szene die sich dann abspielt erscheint
uns selbst etwas grotesk: Die Deutschen packen ihre vielteilige
high-end Campingausstattung aus (was im übrigen die Franzosen
vorschriftsmäßig beeindruckt), während der Tuareg ein Holzfeuer
entzündet und mithilfe eines Topfes und einer Teekanne das komplette
Abendessen bereitet.
Da es sehr kalt ist, kommen die Europäer überein die Jahreswende
um ein paar Stunden vorzuverlegen. Wir tun schrecklich verbotenes
indem wir Champus trinken und eine Salami aus Schweinefleisch
verzehren. Sebastian und Meriem, die seit 2 Jahren in Tripolis
unterrichten, bekommen dabei einen verklärten Gesichtsausdruck.
Es geht weiter Richtung Süden. Wir bewegen uns sehr nahe
und vermutlich bisweilen auch jenseits der algerischen Grenze,
die Fackelfeuer der Ölbohrstationen sind in der Ferne gut zu
erkennen. Das Land ergießt sich in endloser Weite bis zum Horizont,
mal mit und mal ohne Büschel, bald Steine, dann "Wellblechpiste"
und dazwischen Sand. Es gibt viele Spuren und oft kreuzen diverse
andere Pisten. Mit einigen wenigen geeigneten Koordinaten wäre
dieser erste Streckenabschnitt auch ohne Führer gut zu machen,
allein es ist nicht erlaubt!
Wir halten an einer Quelle. Hier wird aus 370 Metern Tiefe
Wasser aus der Erde gepumpt. Ein Lastwagen wird gerade befüllt.
Der Fahrer reinigt sich derweil die Gummistiefel. Angesichts
der in der Wüste üblichen Sparsamkeit mit dem kostbaren Nass
ein kurioser Anblick. |