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Der ökologische Gedanke ist ein Luxus, den sich Industrienationen
leisten. Hier in Libyen wird noch aller Abfall in die Landschaft
entleert. Früher war diese Vorgehensweise auch sicher weniger
problematisch, als die Reste noch verrottbar waren.
Jetzt aber
türmen sich Dosen und Flaschen am Straßenrand und Mülltüten
fliegen auf Augenhöhe. Die Mülldichte nimmt rapide ab, je weiter
man sich von den Städten entfernt. Ein anderes Thema ist der
Umgang mit Kraftstoff. "Nafta" kostet hier fast nichts.
Daher werden die Autos so lange betankt, bis Flüssigkeit aus
der Tanköffnung quillt. Bei Mazut (Diesel) ist dieser Brauch
noch exzessiver. Dies führt zu großen schwarzen Seen an den
Zapfsäulen. Wir bekommen 70 Liter Diesel für 8 Libysche Dinar.
Bis wir Nalut erreichen, ist es bereits dunkel. Wir passieren
den Polizeiposten, der unsere Passnummern in einem dicken Buch
verewigt und uns dann ziehen lässt. Wir hatten auf der ganzen
Reise niemals Probleme mit diesen Beamten. Die meisten winken
uns freundlich zu. Viele testen ihre Fremdsprachenkenntnis.
Der Umgangston ist immer höflich und nett. Touristen sind jederzeit
willkommen. Auf dem Rückweg, als wir wieder in Nalut vorbeikommen
schenkt uns der Diensthabende sogar köstliche Orangen.
Heute sind wir entsetzlich hungrig und beschließen den Gang
ins Restaurant zu wagen. Der Chef ist Algerier und freut sich,
wieder einmal französisch zu sprechen. Wir bestellen Sandwiches
und trauen unseren Augen nicht, als er uns Hamburger und Coca
Cola serviert. Aus der Ecke dröhnt der Fernseher. Eine
Parlamentsdebatte wird übertragen. Über allem thront eben doch
charismatisch die gealterte Erscheinung des Mohamar El Ghaddafi.
Welch ein Kontrastprogramm!
Die Nächte sind kalt. Jays Thermometer zeigt einen Tiefststand
von -0,6 Grad Celsius Außentemperatur an. Wir erwärmen uns mit
einer Tütensuppe zum Frühstück. Dann wird die Stadt erkundet.
Wir finden einen Markt. Entgegen des mit zwei Jahren wohl deutlich
überalterten Geunkes aus unserem Reiseführer, gibt es sehr viele
verschiedene Gemüse und Obstsorten. Wir decken uns ein. Jay
darf für seine ausgesuchten Waren nicht einmal bezahlen, so
freut sich der Mensch am Obststand darüber, dass er fotografiert
wird.
Das eigentliche Ziel unseres Besuches ist die Altstadt. Der
Ksar ist noch in Teilen erhalten. Wir stolpern zunächst durch
die Ruinen, drei Mann mit Fotoausrüstung, einer wilder ausgestattet
als der andere. Ich komme mir komisch vor. Ständig klappert
eine Blende und ich weis nie, wem ich gerade das Motiv verstelle.
Aus dem Nichts taucht ein Mensch auf und bietet sich als Führer
an. Er besitzt die Schlüsselgewalt zu den wenigen noch verbliebenen
Räumen. Er zeigt uns die Moschee, in der heute noch gebetet
wird. Wir sehen einen Brunnen und die Ölpresse. Alle Räume sind
verziert mit Fußabdrücken, Händen und arabischen Schriftzeichen.
Später lernen wir, dass Araber kahle Wände nicht ertragen können.
Wenn nichts vorgesehen ist, malen die Handwerker eigenwillige
Muster oder schreiben einfach ihren Namen.
Die Attraktion ist die Wohnburg mit Speicherstadt. Hier haben
viele Menschen in kleinsten Steinhöhlen auf engstem Raum gewohnt.
Die oberen Parteien sind nur über waghalsige Klettertouren entlang
winziger Treppenstufen zu erreichen. In den ebenerdigen Stockwerken
befinden sich die Lagerräume mit den in Fels eingelassenen Krügen
für Öl und Speisen. Zusätzlich zu den Wohnungen sind Gebrauchsgegenstände
ausgestellt. Wir nehmen uns viel Zeit alles zu begutachten.
Der Führer wartet geduldig und als wir zufrieden sind, begleitet
er uns nach draußen. Kein Wort über Geld oder Geschenke. Stefan
überlegt sich einen fairen Preis. Der Herr nimmt diesen mit
Würde entgegen und strahlt dabei die den Arabern so eigene Zurückhaltung
aus. |