|
Wir wollen zum Abschluss der Tour von Ghadames
nach Ghat gemeinsam Essen gehen.
Das Restaurant ist schnell ausgewählt, allerdings beginnt sofort
nach unserer Ankunft ein wildes Gezeter zwischen dem Restaurantbesitzer,
den Franzosen und unserem Tuareg. Zuerst wird der Preis für
den Mittagstisch ausgehandelt. Als die Deutschen sich, der Gewohnheit
folgend, in den offenen vorderen Teil des Restaurants setzen,
bricht die nächste Diskussion vom Zaun. Ein Tuareg isst nicht
vor anderen Menschen, schon gar nicht auf der Straße. Also werden
erneut Tische und Stühle gerückt und wir verziehen uns in das
dunkle Innere, wo es dann endlich losgehen kann.
Es dauert
nicht lange, bis sich die Kunde von der Ankunft der Touristen
herumgesprochen hat. Die ersten Schmuckhändler treffen schon
ein, als das Hauptgericht noch nicht serviert ist. Es gibt in
dieser Gegend sehr viele Silberschmiede aus Nigeria. Ich sehe
mir die Ware an und bitte Meriem mir mit ihrem perfekt beherrschten
Arabisch bei der Preisverhandlung um eine Kette mit Ebenholz
zu helfen. Eine schlechte Idee, denn Meriem ist einfach zu emotional.
Sie bricht sofort einen Streit vom Zaun. Als ich den Preis nenne,
den ich zu zahlen bereit bin, sind die Verhandlungen zunächst
einmal schlagartig beendet. Offensichtlich muss hier niemand
um jeden Preis verkaufen. Das gefällt mir.
 |

Reisehandbuch Libyen: auf 457 Seiten bietet der Führer
aus dem Jahre 2002 ein landeskundliches Kapitel,
gegenwärtigen Politik sowie Reise-Infos von A bis Z...
|
Farage hilft uns Papiere und einen Führer für die Weiterfahrt
durch das Akakus-Gebirge aufzutreiben, denn auch hier herrscht
Führerpflicht. Bei der Tour durch die Stadt wird der schwarzafrikanische
Einfluß offenkundig. Die Menschen stammen zum größten Teil aus
dem Niger und dem Tschad.
Einen Tuareg oder einen Menschen mit
arabischer Morphologie anzutreffen ist hier purer Zufall. Ein
Junge versucht mitten auf der Straße mit einem Kamm sein krauses
Lockenhaar zu bändigen. Das einzige was er uns gegenüber herausbringt
ist "donnez moi un stylo", die Forderung nach einem
Stift, die ich in der Intensität bisher nur aus Tunesien kannte.
Schade eigentlich.....
Farage bringt uns mit dem Vertreter einer Reiseagentur und
einem Führer zusammen. Im Innenhof eines Privatanwesens geht
es ums Geschäft. Wir feilschen um Reiserouten, Reisedauer und
natürlich den Preis. Die Sprache der gemeinsamen Verhandlungen
ist französisch. Wir diskutieren in Deutsch, die Tuareg in arabisch,
ein munteres Sprachenwirrwarr, bei dem Details doppelt und dreifach
besprochen werden müssen, um Missverständnisse auszuräumen.
Der potentielle Führer scheint schwer von Begriff. Später habe
ich jedoch den Eindruck, dies war lediglich sein Verhandlungsstil.
Wir einigen uns auf 4 gemeinsame Tage für 600 LD.
Als wir zum Landy zurückkehren, hat sich inzwischen zu Fuß
"mein" Schmuckhändler eingefunden. Stefan übernimmt
diesmal die Preisverhandlungen und das "Kreuz des Akakus"
wechselt den Besitzer.
Göttler (die "Bibel" für alle Libyen-Reisenden,
aus dem Reise-Know-How-Verlag) beschreibt ein nettes Fleckchen
Erde zwischen den Dünenbergen des Erg Tanezuft und den
Idinen-Bergen des Akakus. Windgeschützt zwischen von Tamariskenbüschen
bewachsenen Kupsten schlagen wir unser Nachtlager auf. Beim
Feuerschein genießen wir die Hälfte unseres spärlichen Biervorrats
und stossen dabei auf den Geburtstag von Stefans Papa an. |