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Reiseberichte

Lappland - Hundeschlittentour in Lappland

Reisebericht Lappland - Wintererlebniswoche Lappland (9.3.2008 - 15.3.2008)
 

 
  Tag 5: Hundeschlittentour
 

Um 10 Uhr treffen wir uns in der Bar unseres Hotels und schauen uns einen kurzen Einführungsfilm an, der uns erste Instruktionen für das Fahren mit dem Hundeschlittens vermittelt.

Eigentlich ganz einfach: Links in die Kurve, Gewicht auf die linke Kufe. Rechts in die Kurve, Gewicht auf die rechte Kufe. Die Bremse ist dazwischen und sieht ein wenig aus wie eine gefährliche Wildtierfalle – aus Eisen, gebogen und mit zwei großen Dornen versehen, die sich in den Schnee bohren.

Der Husky Queeny
Der Husky Queeny

Zusätzlich hat jeder noch einen „Schneeanker“ am Schlitten, denn von der Bremse selbst lassen sich die Huskies nur beeindrucken, wenn man mit beiden Beinen und vollem Gewicht draufspringt – und dann natürlich entspechend so stehen bleibt ...

Unser Gepäck wird auf einem separaten Motorschlitten verstaut, mit Rentierfällen gegen Kälte und Schnee geschützt und mit Seilen festgezurrt. So wird unser kleines Gepäck sicher und trocken transportiert.

An einem „Übungsschlitten“ demonstriert Marianne nochmals die wichtigsten Verhaltensregeln auf dem Schlitten. Wie war das noch mal? Auf den zwei schmalen Kufen stehen und das Gleichgewicht halten (ist ein bisschen wie Skifahren). Immer den Schlitten festhalten, egal was passiert, ansonsten hauen die Hunde samt Schlitten ab und man rennt hinterher.

Zum Lenken Gewicht verlagern und Bremsen nicht vergessen. Wenn es bergab geht, unbedingt bremsen, der Schlitten darf schließlich nicht schneller sein als die Hunde. Kein „Jojobremsen“, und immer die Abstandsschnur zum Vorfahrenden beachten. Beim Bergauffahren den Hunden helfen, indem man den Schlitten mit anschiebt. Ansonsten kassiert man schnell einen strafenden Blick von seinen Huskies. Und: Es darf nicht überholt werden. Unsere Spannung steigt.

Unterwegs mit dem Hundeschlitten
Unterwegs mit dem Hundeschlitten

Dann lernen wir unseren Musher (Hundeführer) kennen. Er heißt Mika und hat seine eigenen Hunde, auch wenn sie im Kaneel von Harrinia wohnen. Es sind sibirische Huskies, sie sind stärker als Alaskan Huskies und haben kleine aufrechtstehende Ohren. Mika hat selbst 52 Hunde, 44 sind heute für uns unterwegs. Die Huskies wissen, dass es bald los geht, sind schon ganz unruhig und können es kaum erwarten. Vor lauter Gebelle und Gejaule versteht man fast sein eigenes Wort nicht mehr. Wir dagegen warten geduldig, bis Mika uns einen Schlitten zuteilt. Dabei orientiert er sich an der körperlichen Statur. Annettes Huskies sind ein bisschen kleiner und zierlicher, sie fährt als Letzte los. Sylke ist 2 Schlitten vor ihr. Ab jetzt ist jeder für seine 4 Hunde selbst verantwortlich.

Die ersten Momente sind die spannendsten. Das Anfahren klappt – die Hunde warten gar nicht erst unser zaghaftes Kommando „okay“ oder „go“ ab, sondern laufen gleich los, sobald man ein wenig von der Bremse heruntergeht. Auf Kommandos hört sowieso nur der Leithund von Mika – die anderen laufen einfach hinterher. Wir lernen, dass nur die Schlauesten das Zeug zum Leithund haben – bei Mika ist das genau ein Hund unter seinen 52!  Die Kräftigen kommen direkt vor den Schlitten, die, die ein bisschen mitdenken und sensibel sind, laufen vorne im Gespann.

Ein paar Streicheleinheiten für die Hunde
Ein paar Streicheleinheiten für die Hunde

Die ersten paar Meter sind bald geschafft. Geht alles viel besser als gedacht, selbst die Unterführung ist kein Problem. Vor Sylke fährt Michéle. Ihre Hunde sind etwas langsamer, so dass Sylke, Annette und Bea in der Mitte ständig bremsen müssen. Annettes „Leithund“ Queeny und Sylkes „Wheeldog“ Foxy werfen beim Bremsen jedes Mal einen vorwurfsvollen Blick nach hinten. Uns geht es ja auch ein bisschen zu langsam. Später gewöhnen sich Annettes Hunde an das gemütliche Tempo, aber Sylke hat die ganz schnelle Truppe erwischt und muss ständig bremsen – schade für die fleissigen Huskys und muskelkaterfördernd für Sylke.

Später halten wir die Doggies nach jedem Stopp ein wenig zurück und lassen die anderen ein gutes Stück vorfahren, damit wir mal ein bisschen rennen können. Unsere Hunde haben viel Geduld mit uns. Wir genießen sehr die Fahrt durch die winterliche Landschaft, die Ruhe und Weite. Ab und zu sehen wir hinter den Bäumen freilaufende Rentiere. Außer dem Knirschen des Schnees unter den Pfoten der Hunde und dem Kratzen der Bremse ist kein Geräusch zu hören – unendliche Stille. Unendliche Weite. Unendlich schön.

Pause für die Schlittenhunde und uns
Pause für die Schlittenhunde und uns

In der Pause fragt Annette Mika nach den Namen ihrer Huskies: Queeny, Ilona , Bea und Indy. Queeny und Ilona sind noch ein bisschen misstrauisch, Bea und Indy sind ziemlich verspielt und anschmiegsam. Sylkes Hunde heißen Sara (sehr verschmust und brav), dann gibt es die etwas hellere, ähnlich liebe Viena und hinten der plüschige Foxy (der sich beim Laufen immer umdreht um zu schauen, ob es Sylke da hinten auch gut geht) und der junge Salli (Annette tauft ihn wegen der schwarz-weißen Fellzeichnung sofort in „Gremlin“ um).

Auf dem Weg wirft es Sylke in einer steilen Kurve durch das Dauerbremsen kurz vom Schlitten, aber sie fängt Schlitten und Doggies schnell wieder ein. Während der zweiten Etappe nach der Mittagspause klappt das Fahren jetzt schon viel besser und wir sind entspannter, so dass Annette es wagt, während der Fahrt ein paar Fotos zu machen und ein wenig zu filmen.

Hütte in der Wildnis von Lappland
Hütte in der Wildnis von Lappland

So gegen 15:30 Uhr kommen wir in unserer Wildnishütte an. Mika erklärt, wie wir das Geschirr der Hunde abnehmen. Indy versucht immer abzuhauen – Annette wird daher energischer - jetzt klappt es gut und Indy nimmt das gar nicht übel. Bea und Ilona sind sehr kooperativ und ziehen freiwillig ihre Beinchen durch die Schlaufen. Queeny will sich sogar vordrängeln. Sylkes Sara kann das schon fast alleine – prima, denn Sylke ist erst einmal fasziniert von diesem Gestrüpp aus Leinen und Bändern.

Anschließend werden die Hunde in einer festen Reihenfolge an den im Schnee verankerten Ketten angeleint. Nach getaner Arbeit sind alle Hunde ausgeglichen und dösen zusammengerollt in genau passend geschmolzenen Eiskuhlen vor sich hin. Bis zum Fressen herrscht absolute Ruhe und Harmonie.

Skandinavien der Norden: Handbuch für in Lappland vom Polarkreis bis zum Nordkap
Handbuch Lappland
Skandinavien der Norden: Handbuch für Lappland vom Polarkreis bis zum Nordkap

Ein Husky beim Schlafen
Ein Husky beim Schlafen

Während wir kurz die Hütte inspizieren und in der „guten Stube“ Tee und heiße Schokolade trinken, bereitet Mika für die Hunde die „Huskysoup“ vor: Gefrorene Fleischbrocken, Trockenkraftfutter, angerührt mit heißem Wasser aus der Sauna. In der Zwischenzeit verteilen wir die Schälchen. Jeder Husky bekommt einen großen Schöpflöffel voll. Manche schlecken ihre Schüssel brav aus, andere werfen sie um, lassen die Brühe versickern und fressen nur die Brocken . Ganz schön schlau, denn viele Huskies haben unterwegs immer mal wieder einen Bissen Schnee genommen und daher nicht mehr so viel Durst.

Danach kommt der Hauptgang. Mika und Alain hacken gefrorenes Fleisch (Rindermagen, Schwein, Lachs und Mineralstoffe) in Portionen – 1 kg für die Großen und ½ kg für die Kleineren. Zum Füttern gibt es übrigens extra Handschuhe, die in der Hütte bereit liegen. Erstaunlich, wie ruhig und zufrieden die Hunde danach und auch während der Nacht sind.

Nachdem die Hunde versorgt sind, gehen wir zurück in unsere Hütte. Marianne hat das Gepäck schon ausgeladen. Wir sind immer noch überrascht, wie gemütlich und komfortabel die Hütte ist. Eigentlich ist es mehr ein Holzhaus. Ein großes Wohnzimmer mit Kamin und Küchenzeile, daneben ein Schlafraum mit Etagenbetten. Tatsächlich – ein WC. Nein, nicht draußen – drinnen, und noch dazu beheizt! Oben ist ein weiterer Schlafraum, gemütlich unter dem Dach und mit tollem Blick auf den See und die Sauna.

Die Huskies sind wieder zu Hause
Die Huskies sind wieder zu Hause

Lange Eiszapfen hängen vor dem Fenster. Obwohl es auch Strom gibt, bevorzugen wir im Wohnzimmer gemütliches Kerzenlicht. Während Marianne mit den anderen zum Eislochangeln geht, bleiben wir mit Mika in der Hütte. Mika bereitet das Abendessen vor, Sylke spült und Annette hat den schönsten Part und macht es sich mit einer heißen Schokolade und Keksen gemütlich.
Zur Hütte gehört auch eine Sauna (mit Holz beheizt). Vor dem Kochen wurde genügend Holz in den Kamin der Sauna gelegt, so dass sie inzwischen die richtige Temperatur erreicht hat. Natürlich wird die Sauna auch gleich getestet. Sie ist richtig heiß, kein Vergleich zu den elektrisch beheizten Saunen. Zum „Duschen“ stehen im Vorraum 2 große Schalen Wasser bereit: Heiß und kalt, die kann man mischen und sich so ganz gut waschen.

Zum Abendessen gibt es Kartoffelpüree und Rentiergeschnetzeltes (und für Sylke vegetarische Falaffel ), mit Gurken und Beeren. Annette ist erst skeptisch, es schmeckt aber dann doch sehr gut.

Rentiergeschnetzeltes als Abendessen
Rentiergeschnetzeltes zum Abendessen

Natürlich müssen wir uns noch, inklusive Gemälden, im Gästebuch verewigen.Vor dem Schlafengehen gehen wir  noch mal nach draußen für unseren obligatorischen „Polarlicht-Check“. Mika steht auch schon da und schaut in die Nacht. Er kommt - ungewöhnlich für einen Finnen - so richtig ins Plaudern und der für Finnen typischen Humor blitzt immer wieder durch. Und dann sehen wir auch einen Hauch von Polarlicht. Zumindest sagt Mika, es seien Polarlichter - wollen wir es ihm mal glauben...

Weiter gehts nun mit
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