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Wir essen
fertig und holen unsere Rucksäcke. Wir ahnen noch nicht, dass der Ausflug uns
noch lange denken wird, im positiven Sinn...

Heute nehme ich eine Tüte Klamotten zum Umziehen mit. Einen
Pulli, eine kurze Hose und ein T-Shirt. Wir sind zu viert im Wagen, Rahman, der
Fahrer und wir beide. Schnell kommen wir ins Gespräch über dies und das. Auch
ihn fragen wir, was er so von den Europäern hält, ob er die Wahlen in den USA
verfolgt hat und so weiter. Es ergibt sich ein interessantes Bild. Während der
einfache Indonesier die USA als Paradies sieht, das für alle Annehmlichkeiten
des Lebens steht, können diejenigen, die mehr Zugang zu Bildung haben durchaus
die weltpolitische Lage durchschauen und unterscheiden nicht nur zwischen
Amerikanern und Europäer, sondern auch zwischen den Europäern.
Rahman meint, dass er Niederländer und Deutsche als angenehm
empfindet. Probleme hat er mit Franzosen und Italienern, auch wenn diese sich
eher selten nach Java verirren. Einen Amerikanischen Touristen hat er noch
nicht kennengelernt.

Wir fahren schon gut 90 Minuten ehe wir in einem kleinen
Bergdorf Halt machen und einen „local guide“ abholen. Da dieser mit einer
Machete bewaffnet ist, verstärken sich inzwischen die Anzeichen, dass uns ein
kleines Abenteuer bevorsteht. Kurz darauf stoppt unser Wagen und Rahman schaut
rechts raus und meint „here we go“...
Gut, Rucksack auf und los geht’s. Da es die letzten Tage
immer zumindest etwas geregnet hat ist der steinige Dreckweg schon etwas
rutschig und matschig. Wir bemühen uns nicht auszurutschen und den vielen
Wasser- und Schlammlöchern aus dem Weg zu gehen. Es gelingt nicht immer. Nach
einer Stunde haben wir aufgegeben Steine und trittsicheren Boden ausschließlich
im Trockenen zu suchen...

So queren wir bestimmt 6-8 mal kleine Bächlein und unsere
Schuhe werden zunehmend verdreckter und nasser. Teilweise ist schon Kreativität
gefragt, um auf die andere Seite zu kommen. Als Marion mal die Festigkeit des
gelblichen Schwefelmatsches falsch einschätzt steht sie bis zur Wade im gelben
Schlamm. Bestimmt die schnellste Art, die Socken zu färben!
Es ist gar nicht so
einfach, den Fuß mitsamt dem Schuh wieder auf dem Schlamm zu bekommen. Kurz
darauf macht Marions Fototasche auch Bekanntschaft mit dem Wasser und ich hole
mich auch einen matschigen Stiefel. Wir haben nun zumindest mehr Respekt vor
dem Weg...

Nach einigen 100m erreichen wir dann offenes Gebiet und
laufen auf dem Rücken eines Berghangs eine Art trockenes Flussbett nach oben.
Es richt nach Schwefel. Wir gehen vorbei an verkohlten Bäumen und erreichen
kurz darauf die vulkanisch aktive Landschaft oben am Mt. Salak.
Wir schauen uns
um und laufen etwas zwischen den köchelnden Schlammlöchleins herum. Die
Landschaft wirkt befremdend, ähnlich wie auf dem Papandayan. Überall keine
Nebelschwaden, die vom Boden her aufsteigen...

Rachman nutzt die Zeit uns eine Ananas zu schälen und
mundgerecht am Stück vorzubereiten. Was ein Service! Wir lassen uns die Frucht
schmecken und geniessen die Ruhe und die Naturkraft hier oben. Zudem bin ich
nass geschwitzt und versuche etwas zu aklimatisieren.
Als ich meine Kamera kurz auf den Boden lege, um etwas aus
meinem Rucksack zu holen, bemerke ich nicht, dass es dort warm ist. 30 Sekunden
später ist sie schon angelaufen und ganz schön warm von unten her.

Kein Wunder
bei ca. 70°C warmen Felsen. Aber meine EOS50 wäre keine richtige
Canon-Spiegelreflexkamera, wenn sie damit nicht fertig werden würde!
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Nach einer ¾ Stunde gehen wir langsam weiter. Auf die Frage,
ob es auf dem Rückweg auch wieder einige Bäche zu überqueren gibt, meint
Rachman „not so many rivers, but more mud...“. Was auch immer das heißt denken
wir und laufen weiter.
Kurz darauf schnitzt unser local guide uns stabile
Wanderstecken aus dem Zitronengrassbaum (oder so ähnlich). Die Stöcke sind gut
zu gebrauchen! Nach einer weiteren ¼ Stunde wissen wir, was er meinte mit „more
mud“... vor uns lag ein kaum überwindbar aussehendes Schlammloch, das zudem
auch noch vergleichsweise tief aussieht.

Nun mit unserem neuen Wanderwerkzeug geht es besser, als wir
vermuten. Doch kurz darauf kommt gleich der nächste Schlammtümpel. Es liegen
gerade mal einige Äste und kleine aufgequollene Baumstämme in der dunklen
Suppe. Unser local guide fliegt quasi drüber. Rachman tut sich auch etwas
schwer. Ich gehe bis zur Mitte und teste bei halbwegs sicherem Stand mit dem
Stock die Tiefe des Matsches. Das Ergebnis gibt uns zu denken: hüfttief!
Wir sind ja sonst nicht so ängstlich, fragen aber Rachman,
ob es nicht einen andere Weg gibt. Ja gibt es... man legt uns noch einen
kleinen Baumstamm in den Matsch. Gut. Sieht zumindest optisch etwas sicherer
aus. Ich probiere es und es geht auch gut. Auch Marion kommt langsam aber
sicher auf der anderen Seite an.

So langsam fühlen wir uns wieder besser. Es kann ja kaum
mehr eine Steigerung kommen, denken wir. Aber es kam die Steigerung. Zum Glück
erst wenige Minuten nach den letzten großen Schlammlöchern fängt es an zu
tröpfeln. Tropf... ... ... ... Tropf ... Tropf – ich bekomme gerade noch meinen
Foto in die wasserdichte Tasche – Tropf, Schütt...
Nun jeder weiß, dass es in den Tropen meist kurz aber heftig
regnet. Stimmt genau! Aber wie heftig kann man sich erst richtig vorstellen,
wenn man gerade im Urwald unterwegs ist. Unser bisheriger glitschiger Steinweg
verwandelt sich binnen weniger Minuten in einen Bach. Es macht uns überhaupt
nichts mehr aus, in 10 cm tiefem Wasser zu waten, läuft doch an der Hose
entlang mehr Wasser von oben in den Schuh rein, als von unten.
Rachman ist nicht besorgt, dennoch möchte er die Tour
möglichst schnell und heil beenden. Er meint, dass es eine goldene Regel ist,
nicht stehen zu bleiben, wenn man im Dschungel vom Regen überrascht wird. Das
tun wir nicht. Wir sind ja im Dschungeldickicht schon fast am rennen durch
unseren kleinen Bach. Marion verliert die letzten Reste ihrer Sohle. Meindel
Wanderschuhe.

Nach einer Stunde hört es dann wirklich auch auf. Allerdings
war schon nach 30 Sekunden kein trockenes Eck man am ganzen Körper. Meine lange
dünne Jogginghose wog bestimmt einige Kilo. Wir geniessen auf einer Anhöhe trotzdem
die Sicht und machen – für Rachman unverständlich – zwei Bilder. Es geht noch
ca. 30 Minuten, ehe wir kurz vor dem Ende unserer Tour ein weiteres Hindernis
zu überqueren haben.
Stunden vorher für „unmöglich“ tituliert, denken wir jetzt
nur noch nach, wie wir am besten durch diesen rauschenden Bach hindurch kommen.
Dieses Mal können und Rachman und unser Guide wenig helfen. Das Wasser ist ca.
knietief und es herrscht eine ganz schöne Strömung. Erst mal reinwaten danke
ich. Witziges Gefühl, mit den Wanderstiefeln über die Waden im Wasser zu
stehen.
Die Strömung ist das Problem. Das Bächlein ist zwar nur drei
Meter breit und mit Felsen gespickt. Aber eine Möglichkeit rüberzuhüpfen gibt
es nicht. Ich teste an, ob ich den Stock im fliessenden Wasser reinstecken kann
und dann meinen Fuß daran stelle. Es funktioniert. Die Konstruktion hält.
Jenseits der Strömung – immer noch knietief im Wasser – stecke ich für Marion
den Stecken in die Strömung. Funktioniert wieder.
Schneller als wir denken sind wir nun am Wagen. Der Fahrer
ist einen entlegenen Schlaglochweg entlang gefahren, bis zu dieser
Abholstrecke. Wir machen von uns nassen Wanderern noch ein Bild und schauen,
dass wir schnell aus den Klamotten kommen. Zum Glück hatte ich ja was zum
Umziehen dabei. Der Fahrer leiht mir ein paar Schlappen und so sind wir fast
wieder frisch. Nur Marion muss in ihrer nassen Hose sitzen. Aber da hilft ein
Handtuch wenigstens ein wenig.

Wir fahren los, zurück zum Bergdorf, von dem unser Guide mit
der Machete herkommt. Auch das Heimatdorf von Rachman. Wir bekommen bei seiner
Schägerin eine Kleinigkeit zu essen. Es gibt Mie Goreng und ein Cola. Wir essen
auf der „Veranda“ vor einer Holzhütte, die lediglich ein Zimmer hat. Rachman
erzählt uns, dass es seit 6 Wochen keine größere Tour mit Touristen gemacht hat
und dass das schon bedeutet, dass man an allem sparen muss
Mit dem Bus fahren wir wieder durch die Bergdörfer zurück.
Wir entscheiden uns dafür, nicht mehr zu den heiißen Quellen zu fahren, die
optional noch auf unserem Programm standen. Ca. 17.45 Uhr treffen wir an
unserem Hotel in Bogor ein. Wir müssen schon ein etwas seltsames Bild abgegeben
haben. Improvisierte Klamotten, ich barfuß. Und das im 3 Sterne Hotel. Na ja,
man hat uns reingelassen...
Am Abend essen wir im Hotel Restaurant. Es gibt sehr
leckeren Fisch und eine tolle Shrimps-Platte. Dazu zwei große Bier. Das hatten
wir uns verdient. Wir gehen mit Genuß die Wanderung noch mal durch und sind
stolz, dass alles so gut geklappt und wir so viel erlebt hatten.
Am nächsten Tag fahren wir
von Bogor mit seinem botanischen
Garten und seinen Vulkanen weiter nach Jakarta...
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